Telegram: Die stetig drohende "Abschaltung" und Gegenmaßnahmen

Die letzten Wochen oder gar Monate steht der Telegram Messenger mal wieder im Mittelpunkt.
Stand heute (14.01.2022) wird sogar von einer "Abschaltung" gesprochen.

Aus der Vergangenheit wissen wir, dass zwischen Realität und Parlamentsgelaber riesige Unterschiede liegen.

In diesem Artikel zähle ich ein paar Möglichkeiten auf, eine "Abschaltung", ein Verbot oder was auch immer sich die klugen Köpfe einfallen lassen, zu umgehen.

 Die Schlagzeilen sind atemberaubend! Um nur mal drei zu nennen:

  • "Telegram am Ende: Beliebte WhatsApp-Alternative steht vor dem Aus"
  • "Telegram-Verbot: Innenministerin macht Knallhart-Ansage"
  • "Hass im Netz - Faesers Drohungen gehen ins Leere"

Nachdem man also weiterhin Drohbriefe per Post und merkwürdige Inhalte per Paket versenden kann, ohne, dass weder Post noch Paketdienstleister drohen "abgeschaltet" zu werden, soll dies nun jedoch mit Telegram passieren.

Nur, um es noch einmal klar auszudrücken: Seit Jahrzehnten schaffen "wir" es nicht, Kinderpornografie, respektive "illegale Verbreitung von Film und Bild" im Internet zu verbieten, aber Telegram soll einfach abgeschaltet werden. Ja, das wird sicherlich genauso gut funktionieren wie die damaligen Stopp-Schilder im Internet, um Kinderpornografie zu unterbinden oder der grandiose Vorschlag eines Reset-Knopfes, wenn man "gehackt wird".

Wie könnte eine Sperre aussehen?

Eine Sperre im Internet kann nur über den sogenannten DNS-Server laufen. Jeder Provider, egal ob Telekom, Vodafone oder ein anderer bieten i. d. R. einen eigenen DNS-Server an, der über den normalen Internetanschluss (egal ob Kabel, DSL oder Mobil) ausgerollt wird.

Würde jedoch eine Webseite oder ein Dienst (politisch motiviert) gesperrt werden, würde dieser somit bei den Provider-DNS-Servern blockiert werden. Viele Anwender könnten diesen Dienst anschließend nicht mehr nutzen. Umgangssprachlich wird dies auch "Netzsperre" genannt.

Selbstverständlich kann man diese Netzsperren umgehen – sogar sehr einfach.

Doch fangen wir erst einmal ganz vorne an.


Grundsätzliches zum Telegram-Client

Der Telegram-Client respektive die Telegram-App kann über unterschiedliche Wege installiert werden: Direkt bezogen, aus den entsprechenden "Stores" oder als sogenanntes "Third-Party"-Produkt von jemand anderem.
Somit besteht der allererste Schritt gegen Zensur, wie sie jetzt schon durch Google stattfindet, darin, nicht die Play Store-App zu nutzen, sondern eine freie Version zu wählen!

Die PC-Version ist nicht von Einschränkungen betroffen.

Welche Telegram-Apps für Android empfehle ich?

Original Telegram

Telegram selbst bietet direkt eine App zum Download an: Telegram für Android
Die APK-Datei wird einfach heruntergeladen und ausgeführt. Bitte zuvor die Play Store-Version entfernen. Alles außer "geheime Chats" bleibt erhalten!

Plus Messenger

Ich persönlich nutze seit etlichen Jahren bereits den Plus Messenger. Er hat mehr praktische Funktionen als die originale App: Plus Messenger

Selbstverständlich sollte nicht der Plus Messenger aus dem Play Store bezogen werden, sondern die offene Version. Diese kann hier heruntergeladen werden: Plus Messenger App-Center 
Die App meldet, wenn eine neue Version zur Verfügung steht und kann sich dann selbst aktualisieren.

Wer den Plus Messenger bereits aus dem Google Play Store installiert hat, kann eine neuere Version jederzeit aus dem App-Center drüberinstallieren!

Nekogramm

Ein weiteres Projekt ist Nekogramm.
Der etwas merkwürdige Name ist jedoch auch eine stabile Alternative zum Original. Eine Webseite gibt es nicht, die neusten Versionen können jedoch direkt aus deren Telegram-Kanal heruntergeladen werden: Nekogram APKs

Welche Telegram-Apps für iOS empfehle ich?

Leider können iOS-Nutzer nur offizielle App Store-Apps nutzen. Mit "Jailbreak-Geräten" kenne ich mich nicht aus.

Die einzige Möglichkeit auf iOS ist Telegram im mobilen Webbrowser zu nutzen: Telegram WebZ-Interface. Funktioniert bislang auf jedem Gerät.


Wir haben nun erst einmal einer grundsätzlichen Inhaltssperre, wie sie heute bereits passiert, wenn eine "Store-App" genutzt wird, entgegengewirkt. Kommen wir jetzt zu den Gegenmaßnahmen mit einem größeren Wirkungsgrad.

Gegenmaßnahme Nr. 1: DNS-Server ändern

Das nicht unbedingt einfachste, jedoch beste ist es, den DNS-Server zu ändern und nicht mehr den des Providers zu nutzen. Diese sind meistens ohnehin langsamer, weswegen durch einen Wechsel Vorteile entstehen können.

Idealerweise ändert man den DNS-Server im Router selbst. Somit hat man alle Geräte im Netzwerk direkt bedient.
Aber das lässt nicht jeder Provider zu. Gerade die eigenen Router von Telekom und Vodafone sind meist so in der Oberfläche beschnitten, dass der Server nicht gewechselt werden kann. 

Wer zum Beispiel eine FRITZ!Box nutzt, kann sich durch deren Hilfe durcharbeiten: Andere DNS-Server in FRITZ!Box einrichten

DNS-Server auf den Geräten ändern

Computer

Auch kann man direkt am Windows PC oder Windows Laptop den DNS-Server der jeweiligen Verbindung ändern. Dies muss jedoch dann an jedem Gerät gemacht werden.
Hier bietet die CHIP einen guten Artikel: Windows 10: DNS-Server ändern - so geht's
Für andere Betriebssysteme wird es sicherlich auch eine derartige Anleitung geben.

Mobilgeräte

Android

Beim Android-Betriebssystem lässt sich der DNS-Server ganz einfach ändern.
Auch dazu gibt es bereits fertige Anleitungen:

Wer es noch einfacher möchte, kann auch eine App nutzen. Diese muss jedoch permanent (im Hintergrund) laufen. Glücklicherweise sind die besten Apps so gut optimiert, dass es kaum noch Einfluss auf die Akkulaufzeit nimmt.
Ich habe vor ein paar Jahren bereits eine App vorgestellt: DNS66 - Akkuschonender Android Adblock ohne Root
Stand heute nutze ich jedoch eine andere App, die optional (und kostenpflichtig) noch einen VPN-Server mitliefert: Blokada - Die Datenschutz-App. Ich empfehle auch hier nicht die Version aus dem Google Play Store zu wählen, sondern die von der Webseite.
Beide Apps lassen auf ganz einfache Art und Weise den DNS-Server ändern und blockieren sogar noch unerwünschte Werbung!

Welche DNS-Server bieten sich an?

Es ist zu erwarten, dass der eine oder andere DNS-Server-Anbieter ebenfalls mit den Providern mitzieht. Auch rate ich strickt vom Google DNS ab, auch wenn er stets schnell ist; die wissen schon genug!
Üblicherweise gibt man immer DNS1 und DNS2 an, weswegen die Server immer paarweise gelistet werden. Sind mehr als zwei gelistet, einfach die ersten zwei wählen.

Folgende DNS-Server können ausprobiert werden, die vermutlich "nicht mitspielen" und dennoch eine gute Performance haben:

Wenn es "so richtig hart auf hart" kommt, werden diese DNS-Server helfen, könnten jedoch etwas langsamer sein:


Gegenmaßnahme Nr. 2: Telegram MTProto

MTProto ist ein von Telegram entwickelter Proxy-Server, um direkte Zensur zu umgehen! Wer also nicht an seinen Netzwerkeinstellungen herumspielen möchte, kann ganz einfach und bequem nur den Telegram-Client "umrouten".

In Telegram selbst befindet sich ein Menü für Proxy-Server, wozu auch MTProto gehört.
Der Nachteil von MTProto ist, dass die Server mal länger oder mal kürzer leben. Es bietet sich somit an, mehr als einen Server einzupflegen, damit Telegram diese durchwechseln kann. Auch sollten von Zeit zu Zeit neue Server eingepflegt und nicht mehr funktionierende gelöscht werden. 
Das ist jedoch kinderleicht.

MTProto-Einstellungen am Computer

Das Menü kann hier aufgerufen werden:

  1. Einstellungen
  2. Erweitert
  3. Netzwerk und Proxy

MTProto Einstellungen auf dem Handy

  1. Einstellungen
  2. Daten und Speicher
  3. Proxy-Einstellungen

Woher bekomme ich MTProto-Server?

Ich beziehe meine MTProto-Server von hier: Public MTPROTO proxies for Telegram. Klickt man auf eine IP-Adresse, kann man den Server direkt in Telegram öffnen.
Das Bequeme daran ist, dass sie sogar einen Telegram-Bot zur Verfügung stellen, worüber die Server noch einfacher eingefügt werden können! Der Bot kann hier aufgerufen und gestartet werden: @mtpro_xyz_bot

Aber es gibt auch anderen Bezugsmöglichkeiten:

Nachdem ein Server auf dem Gerät aktiviert wurde, gibt es ein Schild-Symbol auf dem Computer links unten, und auf dem Mobilgerät im Hauptmenü direkt oben in der Leiste. Tippt man auf das Schild, öffnen sich sofort die Einstellungen. Ist dort ein sich drehendes Symbol, kann die Verbindung zum MTProto-Server nicht aufgebaut werden. In dem Fall einfach drauftippen und händisch einen anderen Server wählen oder die Einstellungen (vorerst) ausschalten. Deswegen möchte ich nochmals erwähnen, dass es sinnvoll ist, mehr als einen Server einzupflegen. Es dürfen auch über zehn sein. Je mehr, desto besser, aber bitte nicht übertreiben. ;-)

Wieso werden da "ausländische" Schriftzeichen angezeigt?

MTProto-Server haben jeweils Sponsoren, worüber diese finanziert werden. Deswegen wird ein entsprechender Kanal oben angezeigt. Er kann aber ignoriert werden. 
"Ausländisch" sind die Server deswegen, weil sie in oder für Länder betrieben werden, die bereits heute Zensurprobleme haben. 
Im Umkehrschluss: Hoffen wir, dass es keine deutschsprachigen Server geben muss!

Sind die Server deswegen nicht vertrauenswürdig? Das muss jeder selbst entscheiden. Es gibt natürlich jederzeit die DNS- oder VPN-Alternative, letztere kostet aber zusätzlich, bietet hingegen auch entsprechend mehr Umfang.


Zusammenfassung

Ich denke nicht, dass Telegram verboten wird. Es wäre ein sehr großer Schritt in Richtung Zensur.

Allerdings waren die letzten paar Jahre von so einigen Überraschungen durchsetzt. Manche wurden zwar durch Gerichte wieder gekippt, jedoch macht es die Gesamtsituation unberechenbar.


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